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Astralreisen und luzides Träumen: Was außerkörperliche Erfahrungen wirklich sind

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 5 Minuten4 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Was dabei im Gehirn passiert
  2. Warum das im Schlaf so leicht passiert
  3. Der Test, den noch niemand bestanden hat
  4. Wie man das Erlebnis bewusst herbeiführt
  5. Was von der Astralreise bleibt
  6. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Außerkörperliche Erfahrungen (OBE) sind real als Erlebnis – aber im Labor lassen sie sich durch Reize am Gehirn auslösen, ohne dass irgendetwas den Körper verlässt.
  • Was in Foren „Astralreise“ heißt, ist neurologisch ein Klartraum oder eine Schlafparalyse-Erfahrung mit Schwebe- und Austrittsgefühl.
  • Kein kontrollierter Versuch hat je gezeigt, dass jemand auf einer Astralreise Informationen gewonnen hat, die er nicht anders haben konnte.
  • Wer das Erlebnis sucht, kommt über WBTB und WILD zuverlässig hin – ohne Esoterik und ohne Gefahr.

Du liegst im Bett, spürst ein Vibrieren, ein Summen, dann löst sich etwas – du schwebst nach oben, siehst dich selbst unten liegen, kannst durch die Decke gleiten. Für die einen ist das eine Astralreise, ein Verlassen des Körpers mit dem „Astralleib“. Für Neurowissenschaftler ist es eine außerkörperliche Erfahrung (Out-of-Body Experience, OBE), ein gut untersuchter Zustand des Gehirns. Beide beschreiben dasselbe Erlebnis. Der Unterschied liegt in der Erklärung – und die hat Folgen dafür, wie man damit umgeht.

Was dabei im Gehirn passiert

Das Gefühl, in einem Körper zu sein und ihn von innen zu sehen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Leistung des Gehirns: Es verrechnet laufend Sehen, Gleichgewicht, Lage- und Berührungssinn zu einem einheitlichen „Ich bin hier“. Eine Region, in der das zusammenläuft, ist der temporoparietale Übergang, wo Schläfen- und Scheitellappen aneinandergrenzen. Der Neurologe Olaf Blanke stimulierte 2002 bei einer Epilepsie-Patientin genau diese Stelle elektrisch – und sie berichtete, sich von oben im Bett liegen zu sehen. Das Erlebnis ließ sich auf Knopfdruck auslösen und abschalten.

2007 ging Henrik Ehrsson weiter und erzeugte außerkörperliche Erfahrungen bei gesunden Probanden: Mit Videobrillen, die den eigenen Körper von hinten zeigten, und gleichzeitiger Berührung am echten und am gesehenen Körper verschob sich das Ich-Gefühl messbar nach hinten – die Probanden erlebten sich außerhalb ihres Körpers und zeigten Stressreaktionen, wenn der „gesehene“ Körper bedroht wurde. Fazit beider Linien: Die außerkörperliche Erfahrung ist eine Störung der Körperverrechnung. Sie ist als Erlebnis vollständig real – und sie beweist nicht, dass etwas den Körper verlässt, sondern dass das Gehirn das Gefühl des Drinseins herstellt und auch verlieren kann.

Warum das im Schlaf so leicht passiert

Im REM-Schlaf und am Übergang zwischen Wachen und Schlafen fehlen genau die Signale, die das Gehirn normalerweise zur Verankerung nutzt: Die Muskeln sind gelähmt, Berührungs- und Lagesinn sind gedämpft, der Gleichgewichtssinn liefert nichts. Das Gehirn muss den Körper selbst konstruieren – und manchmal konstruiert es ihn schwebend, über dem Bett, aus dem echten Körper gleitend. J. Allan Cheyne fand in seiner Auswertung tausender Schlafparalyse-Berichte, dass Schwebe-, Flug- und Austrittsgefühle zu den häufigsten Erlebnissen gehören, zusammen mit Vibrationen und Summen. Das sind exakt die Phänomene, die in Astralreise-Anleitungen als „Austrittssymptome“ beschrieben werden.

Mit anderen Worten: Was als Astralreise erlebt wird, ist in der Regel ein Klartraum, der mit dem Bild des eigenen Schlafzimmers beginnt – oft aus einer Schlafparalyse oder einer WILD-Einleitung heraus. Das Schlafzimmer ist dabei nicht gesehen, sondern aus dem Gedächtnis gebaut, und Details stimmen oft nicht (die Uhr zeigt falsch, Gegenstände fehlen). Das ist der einfachste Test.

Der Test, den noch niemand bestanden hat

Wenn bei einer Astralreise tatsächlich etwas den Körper verließe, müsste man Informationen gewinnen können, die man anders nicht hat: eine Zahl auf einem Zettel im Nebenzimmer, ein Bild auf dem Schrank. Solche Versuche wurden seit den 1960ern mehrfach gemacht, teils mit erfahrenen „Astralreisenden“ und unter kontrollierten Bedingungen. Keiner lieferte reproduzierbare Treffer über dem Zufall. Das bedeutet nicht, dass die Erlebenden lügen – sie erleben es wirklich. Es bedeutet, dass das Erlebnis im Gehirn stattfindet. Du kannst den Test selbst machen: Leg abends einen Zettel mit einer fünfstelligen Zahl verdeckt auf den Schrank. Lies ihn auf der nächsten Astralreise. Vergleiche.

Wie man das Erlebnis bewusst herbeiführt

Wer die Erfahrung sucht – als Erlebnis, als Erkundung des eigenen Bewusstseins –, kann das. Es ist die WILD-Technik:

  1. Wecker nach etwa fünf Stunden Schlaf, 20 bis 30 Minuten wach bleiben (Schlafphasen-Rechner).
  2. Auf dem Rücken hinlegen, vollständig entspannen, nicht mehr bewegen. Aufmerksamkeit leicht auf das Körpergefühl richten.
  3. Vibrationen, Summen, Schweregefühl oder Lähmung abwarten – das ist der Übergang. Ruhig bleiben; es ist die Schlafparalyse, harmlos.
  4. Dann vorstellen, aus dem Körper zu rollen, nach oben zu steigen oder sich hochzusetzen. Nicht die echten Muskeln benutzen – nur die Vorstellung. Bei vielen „löst“ sich der Traumkörper dann vom Bett.
  5. Reality Check: Schau auf die Uhr, zähl deine Finger, lies etwas. Du wirst merken, dass du träumst – und bist in einem Klartraum, der im Schlafzimmer beginnt.

Von hier aus kannst du alles tun, was im luziden Traum möglich ist. Die Erfahrung ist eindrucksvoll, oft eindrucksvoller als ein gewöhnlicher Klartraum, weil sie mit dem vertrauten Zimmer beginnt. Gefährlich ist sie nicht: Niemand bleibt „draußen“ hängen, niemand kann den Körper „besetzen“ – es gibt kein Draußen. Die einzige Nebenwirkung ist die Angst bei der Schlafparalyse, und die verschwindet mit dem Verstehen. Was man sonst beachten sollte: Gefahren und Risiken.

Was von der Astralreise bleibt

Viel. Das Erlebnis, sich von außen zu sehen, durch Wände zu gleiten, zu fliegen – das ist real als Erfahrung und für viele prägend. Dass es im Gehirn stattfindet, macht es nicht kleiner; es macht es verfügbar. Wer das Wort „Astralreise“ behalten will, darf das. Wer wissen will, was passiert, weiß es jetzt. Und wer beides verbinden will, lernt luzides Träumen: Anleitung für Anfänger.

Häufige Fragen

Sind Astralreisen gefährlich?

Nein. Nach allem, was man weiß, verlässt nichts den Körper; es handelt sich um einen Klartraum oder eine Schlafparalyse-Erfahrung. Man kann nicht „draußen“ bleiben oder besetzt werden. Die einzige Belastung ist die Angst während der Schlafparalyse – sie verschwindet, wenn man weiß, was passiert.

Was ist der Unterschied zwischen Astralreise und luzidem Traum?

Im Erleben: Die Astralreise beginnt im eigenen Schlafzimmer mit Austrittsgefühl, der luzide Traum irgendwo. Neurologisch ist beides derselbe Zustand – ein bewusster Traum im REM-Schlaf. Ein Reality Check (Uhr lesen, Finger zählen) zeigt das auch während der Astralreise.

Kann ich auf einer Astralreise reale Orte besuchen und etwas sehen?

Das Erlebnis fühlt sich so an, aber kontrollierte Tests (verdeckte Zahl im Nebenraum) haben nie Treffer über dem Zufall gezeigt. Was du siehst, ist aus dem Gedächtnis gebaut – deshalb stimmen Details oft nicht.

Quellen

  1. Blanke, O., Ortigue, S., Landis, T., Seeck, M. (2002): Stimulating illusory own-body perceptions. Nature 419 – https://doi.org/10.1038/419269a (abgerufen 10.10.2026)
  2. Ehrsson, H. H. (2007): The Experimental Induction of Out-of-Body Experiences. Science 317(5841) – https://doi.org/10.1126/science.1142175 (abgerufen 10.10.2026)
  3. Cheyne, J. A., Rueffer, S. D., Newby-Clark, I. R. (1999): Hypnagogic and Hypnopompic Hallucinations during Sleep Paralysis. Consciousness and Cognition 8(3) – https://doi.org/10.1006/ccog.1999.0404 (abgerufen 10.10.2026)
  4. Voss, U., Holzmann, R., Tuin, I., Hobson, J. A. (2009): Lucid dreaming: A state of consciousness with features of both waking and non-lucid dreaming. Sleep 32(9) – https://doi.org/10.1093/sleep/32.9.1191 (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Luzides Träumen lernen. Erstmals veröffentlicht im August 2023, vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.

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